Gute Fotos sind Musik für die Augen

In Zeiten von Youtube, Handyvideos, Snapchat und Co. habe ich mich gefragt, was mich an Fotografie überhaupt so fasziniert.
Vielleicht stößt mich bildlicher Quatsch auch immer mehr ab, so dass ich Qualität mehr zu schätzen weiß. Damit will ich keinesfalls sagen, dass ich ein genialer Fotograf bin, ich lerne bei jedem Shooting dazu. Aber ich will auch lernen und mich verbessern.

Ich fotografiere gern. Sehr gern. Ich genieße dabei die verschiedenen Stadien bis zum fertigen Bild. Die Planung und Vorbesprechung mit dem Model, das Shooting selbst mit allen Gegebenheiten und spontanen Ideen und danach die Ruhe am Rechner bei der Auswahl und der Bearbeitung. Ist das Model mit den Ergebnissen zufrieden, bin ich glücklich.

Warum Fotos und nicht Videos? Ein Video lässt wenig Spielraum für die eigene Fantasie. Ein Foto lässt Freiraum für Interpretation. Was dachte das Model gerade? Was könnte dieser Blick bedeuten? Über was freut sich das Model oder warum ist es so ernst oder traurig? Was ist da gerade passiert?
Was mich aber am meisten fasziniert, ist der Stillstand des Moments. In einer so schnelllebigen Zeit und mit dieser Reizüberflutung durch die ganzen verschiedenen (sozialen) Medien und Apps, die wir auf unseren Smartphones nutzen, fehlt einem oft etwas Ruhe. Ein Moment zum Innehalten, einfach ein bisschen runterkommen.

Mit Musik kann man sich in eine eigene Welt flüchten. Viele schotten sich mit Kopfhörern in der Öffentlichkeit von ihrer Umgebung ab. Eine Flucht aus dem hektischen Alltag.
So geht es mir auch mit einem Foto. Ein Moment wird für die Ewigkeit festgehalten. Man kann zur Ruhe kommen und sich nur auf eines fokussieren.

Deswegen sage ich: Gute Fotos sind Musik für die Augen.
Gut, der Titel ist Quatsch. Es ist nur ein kleiner Insider, beschreibt aber mit einem Augenzwinkern ungefähr was ich meine. Was Musik für die Ohren ist, sind Fotos für die Augen.

Mit nur einem Bild kann man sich so vielen Dingen bewusst werden. Ein lächelndes Hochzeitspaar zeigt das Glück, das beide empfinden und das jeder selbst empfinden will. Das Foto eines traurigen Obdachlosen erinnert einen an unsere gesellschaftlichen Probleme. Das Foto eines lachenden alten Mannes, der kaum Zähne hat und in einer armen Gegend lebt, zeigt uns, dass man auch einfach fröhlich sein kann und keine Statussymbole dazu braucht. Das Bild eines weinenden Kindes im Krieg zeigt uns die grenzenlose Grausamkeit, Dummheit und Gier der Menschen.

Videos finde ich deswegen nicht schlechter.
Ja, ich rege mich über Hochkant-Videos auf. Alle Bildschirme sind im Breitbildformat. Hinzu kommt, dass man vieles aus der Umgebung dadurch einfach weglässt. Das was rechts oder links vom gefilmten Motiv ist, könnte wichtig sein oder einfach nur schöner für das gesamte Video. Ja, es gibt auch Ausnahmen, aber die sind eher selten. Kriegt man das in die Köpfe der Handy-Filmer rein? Eher nicht. Reagiert vielleicht mal ein Handyhersteller, in dem er den Sensor im Handy einfach um 90 Grad dreht, so dass man das Handy immer noch hochkant halten kann, aber das Video in 16:9 aufgezeichnet wird? Auch eher unwahrscheinlich.
Videos haben ganz andere Vorteile. Man hat Bild und Ton als Informationsquelle. Filme sind unterhaltend oder manchmal lehrreich. Sie fangen einen größeren Teil der Situation ein, grenzen Interpretationen weitestgehend aus. Doch auch hier sieht und hört man nicht alles.

Die Frage, ob Videos oder Fotos besser sind, stellt sich meiner Meinung nach nicht. Es sind zwei unterschiedliche Medien. Die einzige Parallele, die ich sehe, ist, dass man auch Videos verlangsamt, um bestimmte Momente stärker wirken zu lassen. Verlangsamen, Zeitlupe, fast wie ein Foto.

Fotos haben für mich aber einfach einen anderen Stellenwert. Gute Fotos halten den Moment fest, gute Fotos halten die Zeit an, gute Fotos geben dem Betrachter die Möglichkeit, seinen Gedanken freien Lauf zu gewähren. Gute Fotos sind Emotion. Gute Fotos sind Innehalten.

Gute Fotos sind Musik für die Augen.

PS: Dieser Artikel dient nicht dazu, Klicks auf meinen Fotoseiten zu generieren. Auf „Social-Media-Fame“ bin ich nicht aus. Wer sich aber dennoch ein paar Bilder anschauen will, so findet er hier ein paar Beispiele (O.K. auf Instagram ist auch Schnickschnack drauf):
https://500px.com/ibogy
https://www.instagram.com/sir_bogy/

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