Wo ist die Romantik?

(Erstveröffentlichung am 02. August 2010)

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin in der falschen Zeit geboren. Vielleicht hab ich als Kind zu viele Filme gesehen, in denen der Held seine Angebetete durch Romantik oder eine grandiose Heldentat dazu brachte, sich unsterblich in ihn zu verlieben.

Der kleine schmächtige Loser haut dem übermächtigen Bösewicht doch noch eins aufs Glaskinn – Zurück in die Zukunft, Teil 1.

Er rettet sie vor einer Gefahr – da jeder 2. (Action-)Film eine solche Nebenstory hat, spare ich mir hier eine Aufzählung.

Oder er schafft es durch seine sensible Seite, den vermeintlich besseren, cooleren Typen auszustechen. Er schreibt Gedichte, Songs und die Herzdame schmilzt dahin.

So schön wie das alles im Film funktioniert, lehrt uns das echte Leben leider, dass das alles nur Illusion à la Hollywood ist.

Aber ist es wirklich so? Oder sind Männer, die sich wie im Film für die Liebste opfern würden, eine romantische Ader haben, Gefühle zeigen können nur sehr selten geworden? Was ist mit den Frauen? Wo ist da die Romantik? Es wird oft eher als kindlich abgetan, wenn man ein Gedicht schreibt. Als ob das nur die kreativere Variante von „Willst Du mit mir gehen? Ja, Nein, Vielleicht“ wäre.

Was ist mit Frauen, die einen Mann anfangs kaum beachten und dann von seiner Romantik überwältigt sind und sie sich unsterblich in ihn verlieben? Ja, anfangs kaum beachtet. Dann lernt man ihn kennen. Ihn und seine weiche Seite. Sie freundet sich mit ihm an und dann wird man irgendwann zur besten Freundin, die sich regelmäßig rasieren muss und zwei Oktaven tiefer spricht. Dass dieser beste Freund die Freundin gern zu mehr machen würde, wird gar nicht für möglich gehalten oder dann mit dem berühmten Satz abgeblockt: „Ne, das mach ich nicht. Ich hab Angst um die Freundschaft.“ Ja, genau! Es gibt nur schwarz und weiß. Gerade Frauen, die uns Männer lehrten, dass es nicht nur rosa, sondern auch pink, lachs, pfirsich, fuchsia und was weiß ich gibt. Bei Beziehungen werden sie plötzlich farbenblind.

Aber zurück zur Romantik. Ich habe das Gefühl, dass sich gerade Frauen strikt weigern ihre angeblich angeborene romantische Art auszuleben.

Sie beschweren sich, wenn er ihr nicht oft genug oder ohne besonderen Anlass sondern zwischendurch mal Blumen schenkt. Klar, eine kleine Aufmerksamkeit ist toll. Aber was bedeuten Blumen schon, wenn man etwas anderes geben kann? Blumen verwelken. Blumen halten nur ein paar Tage. Ein Gedicht, kann man immer bei sich tragen. Wenn man den Zettel verliert oder in der heutigen Zeit die „Gedicht.pdf“ aus Versehen löscht, kann man das Gedicht noch im Herzen tragen.

Oder ein Song. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, seiner Liebsten seine tiefsten Gefühle zu offenbaren. Ein eigenes Lied zu schreiben ist an sich nicht schwer. Ein gutes Lied liegt natürlich im Auge des Betrachters oder viel mehr im Ohr des Hörers. Aber selbst wenn das Lied nicht die Qualität eines Welthits hat, kann es trotzdem eine ganz besondere Bedeutung für beide haben, da es von ihm kommt. Von ihm, direkt aus seinem Herzen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Lied sagt mehr als sämtliche Blumenplantagen in den Niederlanden.

Aber wirkt es? Muss es wirken? Natürlich kann man nichts erzwingen. Wenn das Mädel nichts für einen empfindet, dann kann auch ein nur mit eigenen Songs befüllter Kuschelrock-Sampler nichts bewirken.

Nun, man schreibt nicht jeder Frau, die man in der S-Bahn trifft, gleich ein Gedicht oder einen Song. Das kommt eher selten vor.

Aber Frauen wollen doch nach eigener Aussage immer Romantik. Sie wollen erobert werden. Hm, ist ein Gedicht nicht eine Art von Eroberung? Ein Zeichen, dass man etwas ganz besonderes ist? Oder sind alle Männer Dichter und Songwriter für ihre Liebsten und es ist normal und eine Frau kann nach einigen Jahren eine eigene Top 100 zusammen stellen? Also wenn das so ist, dann scheinen Männer doch mehr Geheimnisse zu haben als ich dachte. Jedenfalls hat keiner meiner Freunde mal erzählt, dass er mit Mitte 30 eine Best-of-Doppel-CD mit eigenen Songs auf den Markt bringt… Um genau zu sein, kenne ich nur einen einzigen, der sich außer mir seines musikalischen Talents bedient hat. Auch Gedichtschreiber kenne ich nur einen. Bisher hat das allerdings alles nichts gebracht. Netterweise gab es Lob von Freunden und Bekannten. Also scheint das eine oder andere Lied doch kein Anreiz zu sein, sich die Ohren operativ verschließen zu lassen.

Liebe Mädels, wollt Ihr noch Romantik? Ist sie nach wie vor tief in Euch verwurzelt?

Oder müssen sich Männer bald in Selbsthilfegruppen vereinen, um gemeinschaftlich Gedichte und Songs oder romantische Ideen auszutauschen und dann Händchen haltend in der Gruppe zu weinen?

Von Freundinnen hört man bei Songs oder Gedichten auch gerne mal genau das, was man eigentlich von der Empfängerin erhofft: „Ich könnte heulen, das ist total schön!“ „So was hat noch kein Mann für mich gemacht!“ „Wenn ein Mann so was für mich machen würde, ich würde ihn sofort heiraten!“ und und und.

Der Tenor war immer derselbige: Sie finden es absolut toll und würden sofort anspringen. Also genau so wie im Film. Warum klappt es dann doch nie in der Realität? Die besagten Freundinnen, die voll des Lobes waren, sind übrigens real. Aber das nur am Rande.

Bisher war die Erfolgsquote bei allen, die ich kenne, die schon mal die hohe Kunst des Gedichts oder des Liedes anwandten, nämlich Null, Zero, gar nichts.

Haben wir uns alle die falschen Frauen raus gesucht, die eben für diese Art des Balzens nicht empfänglich waren? Oder klappt es doch nur auf der Leinwand?

Es wäre zu schade. Denn wo sollen wir sonst hin mit der ganzen Romantik, die in uns steckt. Vielleicht doch alles aufnehmen, einen eigenen Youtube-Channel eröffnen und hoffen, dass man nicht der einzige ist, der darauf klickt?

Einfach verdrängen und ein typischer Mann von heute sein? Hm, dann ist man wieder zu unromantisch…

Ich für meinen Teil bleibe so wie ich bin. Und ein Teil von mir ist eben Romantiker. Wer sonst könnte Songtexte wie „Everything I do, I’ll do it for you“ oder „I die for you“ wirklich noch erst meinen, außer einem Romantiker…

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