Monogamie und Treue – zeitgemäße Langeweile oder doch genau richtig?

(Erstveröffentlichung am 06. August 2010)

„Papa, wie nennt man das, wenn man sein Leben lang mit derselben Frau zusammen ist?“ – „Monotonie!“

Ein alter und eher flacher Stammtischwitz. Und doch empfinden viele, die in einer festen Beziehung sind, genau so.

Der Alltag wird zur Langeweile und fast zur Belastung. Wie kommt es soweit? Was fehlt?

Meist geht die Romantik und anfängliche Verliebtheit verloren. Das heißt nicht, dass man sich nicht mehr liebt. Die Liebe verändert sich allerdings. Ist die Veränderung gut? Das muss jeder selbst wissen. Der Alltag schleicht sich ein. Die täglichen Dinge, die man erledigen muss, stehen im Fokus.

Ich für meinen Teil bin ein großer Freund der Monogamie, aber nicht der Monotonie. Wenn die Beziehung nur noch daraus besteht, dass man sich Probleme aus dem Büro erzählt und sich zur Ablenkung aus dem Alltag – sowohl privat als auch beruflich – in Freizeitaktivitäten mit anderen flüchtet anstatt das Miteinander zu pflegen. „Am Wochenende besuchen wir XY“ oder „Heut Abend gehen wir mit YZ kegeln“. Das soll eine Beziehung wieder aufpeppen?

Ich glaube nicht.

Manch einer flüchtet sich in eine Affäre. Statistisch gesehen sind nach wie vor die Männer die bösen Fremdgeher. Aber stimmt eine Statistik bei so einer Thematik überhaupt? Geben befragte Frauen immer brav zu, dass sie fremdgehen? Bestimmt nicht. Für Männer ist es teilweise immer noch das stolze „Ich habe Feuer gemacht!!!!“ aus der Steinzeit. Frauen versuchen sich meist aus dem grauen Alltag zu retten.

Für mich ganz klar ein Trennungsgrund. Sie kann alles von mir haben, dazu braucht sie keinen zweiten Mann. Schließlich wird uns Männern immer eine gewisse Unersättlichkeit nachgesagt, warum geht sie also fremd?

Witzigerweise werden wir ja immer als s******gesteuert hingestellt. Aber der Begriff Nymphomanin hat kein auch nur halb so bekanntes männliches Pendant. Männer bezeichnen sich dagegen gerne als Hengst. Sie nutzen selten das Wort unersättlich, da es doch eine gewisse Schwäche darstellt. Ein Mann muss und will stark sein! Mann hat wieder eine flach gelegt.

Frauen werden wohl eher selten am Mädelsabend erzählen, dass sie diese Woche wieder 4 Männer im Bett hatten und sie bis kurz vor den Infarkt getrieben haben… für Frauen ist Sex kein Sport, kein Wettkampf.

Ist es falsch fremd zu gehen? Ansichtssache. Grundsätzlich gibt es ja die sogenannte offene Beziehung. Da dürfen beide umher vögeln wie sie wollen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Personen eine wirklich innige Beziehung haben. Ich schätze eher, dass das eine WG mit Sex aber ohne echte Beziehung ist. Ob diese Ansicht richtig ist? Das ist mir wiederum egal. Da für mich eine solche Lebensart nie in Frage käme.

Was geschieht aber in einer Beziehung, wenn man sie als monoton empfindet? Man entfernt sich voneinander. Man kennt sich zwar einige Zeit, aber doch nicht so richtig. Dinge müssen erledigt werden. Man setzt die Prioritäten neu. Man will etwas gemeinsam erreichen. Ein Haus bauen, eine Wohnung kaufen, ein Auto, tolle Urlaube, die Kinder zu tollen Menschen formen – STOP!

Worum geht’s hier eigentlich? Viele fangen mir Statussymbolen an und lassen die eigenen Kinder auch zu solchen werden? „Torben hat schon wieder eine Klasse übersprungen!“ NA UND? Uschi ist sitzen geblieben. Ist sie deswegen weniger liebenswert? Ein Mensch zweiter Klasse? NEIN!

Ob das Haus eine gepflasterte Einfahrt hat oder ob Marmorplatten den Boden und die Wände im Wohnzimmer zieren, ist doch völlig egal. Wenn man es stolz erzählt, fühlt man sich vielleicht in dem Moment überlegen und toll. Der Zuhörer ist erstaunt, evtl. sogar begeistert. Aber auch etwas neidisch oder empfindet es als völlig unsinnig und übertrieben. Nicht vergessen, wir leben im Land der Neider! Dekadenz ist ein negativ behafteter Begriff. Also was bringt mir der Porsche in der Garage? Eigentlich nichts. Jedenfalls wenn er den Zweck erfüllen soll sich abzuheben. Sicher, man hebt sich ab. Man hebt ab von den Freunden und Bekannten, die nicht diesen Lebensstil verfolgen können. Ist ein Porsche es wert, seine alten Freunde bei Seite zu schieben? Für mich nicht.

Was ist also das Wesentliche in der Beziehung? Statussymbole? Bestimmt nicht. Dem Partner ein wohliges Heim zu bescheren, ein schönes Leben zu führen. Ja, zu leben! Man kann sich eine Mietwohnung schön einrichten. Man kann seine eigenen Hobbys haben und dann schnappt man sich seine Liebste und fährt einfach mal nach Wien oder an den Gardasee oder nach Mailand oder fliegt nach Barcelona oder oder oder. Das ist das Salz in der Suppe der Beziehung. Es heißt immer „kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“. Kleine Aktionen von Herzen erhalten die Beziehung!

Umgekehrt kann Frau natürlich auch etwas in die Richtung unternehmen. Es muss keine Dauerkarte für ein Fußballstadion sein, es müssen auch keine Formel-1-Tickets sein. Sicher, das alles ist toll. Aber wie wäre es, wenn sie ihn einfach mal einlädt und ihn mit einem Kinofilm überrascht, der so gar nicht ihr Geschmack ist, aber seiner! Wenn er nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, dann wird er es schon zu schätzen wissen.

Eine Kinokarte € 7,-

Verpflegung im Kino € 4,-

Die Freude des Partners über die Zuneigung der Liebsten / des Liebsten – UNBEZAHLBAHR!

Dazu braucht man nicht mal eine Mastercard. Das geht einfach so.

Es gilt also die Monotonie zu bekämpfen. Das Fundament der Beziehung muss Vertrauen sein, Liebe, eine gewisse Kompromissbereitschaft. Der Alltag lässt sich mit Kleinigkeiten aufpeppen. Es muss nicht gleich ein Picknick in Paris sein, aber man kann auch an einem schönen See um die Ecke picknicken.

Dies geht natürlich nur, wenn man keinen materiell veranlagten Partner hat. Aber wer will das schon. Wenn die Herzdame lieber eine Uhr von Cartier zum Geburtstag möchte als einen spontanen Kurztrip nach Venedig, dann sollte man sich evtl. überlegen, ob man die Herzdame nicht abwirft, um mit einem besseren Blatt das Spiel des Lebens doch zu gewinnen. Aber diese Entscheidung bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Für mich wär’s nix.

Mit etwas Romantik und Herz kann man die Monotonie sicher besiegen oder zumindest wieder für eine Weile vertreiben. Sie wird wieder kommen. Das liegt leider in uns. Aber es liegt an uns selbst, hier entgegenzuwirken.

Romantik gegen die Monotonie! Verliert die Romantik nicht.

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