Menschen ändern sich

(Erstveröffentlichung am 21. Dezember 2010)

„Der denkende Mensch ändert seine Meinung.“ Das sagte einmal Friedrich Nietzsche. Ich bin mir sicher damit meinte er lediglich, dass intelligente Menschen willens sind, ihre eigene Meinung nochmals zu überdenken.

Heutzutage wird das allerdings oft als „flatterhaft“ oder „Fähnchen im Wind“ beschrieben.

Mir geht es aber nicht um Meinungen, sondern um den Charakter und bestimmte Verhaltensweisen. Beides wird von Erfahrungen, Erziehung und manche glauben auch vom Sternzeichen beeinflusst.

Im Laufe meines Lebens habe ich sowohl private als auch berufliche Veränderungen wahrnehmen müssen und dürfen, die mich ob des labilen Charakters Einzelner geradezu geschockt haben.

Dabei geht es nicht eine 180 Grad Wendung des Menschen, sondern eher um Dinge, die man vorher übersehen oder in Kauf genommen hat, weil die anderen Werte dieses Menschen äußerst positiv waren und die negativen überstrahlten.

Im Berufsleben stelle ich die Forderung nach einem psychologischen Gutachten, wenn jemand eine Führungsposition bekleiden soll. Fachlich mag der eine oder andere sicher dazu geeignet sein. Aber sobald man Weisungsbefugnis erhält trennt sich die Spreu vom Weizen. Manche bekommen einen Höhenflug, so dass man nur darauf wartet bis derjenige gegen die Zimmerdecke knallt und sich das Genick bricht. Andere lassen einfach nur den Chef raus hängen, um Gegenargumente zu unterbinden. Beides Zeichen von Charakterschwäche und oft fehlender Kompetenz.

Allerdings hab ich auch positive Beispiele erleben dürfen. Vorgesetzte, die in erster Linie Kollege oder gar Freund waren. Die sich nicht wegen ihrer höheren Position als etwas Besseres fühlten und dies nach außen trugen.

Lob und Kritik eines Vorgesetzten nimmt man auch viel besser an, wenn man weiß, der Chef geht ehrlich und fair mit einem um.

Im Privatleben sehen die Veränderungen anders aus. Durch Jobwechsel, Umzug merkt man erst wie sehr sich der vermeintliche Freund tatsächlich für einen interessiert.

Die Veränderungen, die ich wahrnahm sind im Übrigen völlig geschlechtsunspezifisch. Bei manchen ging es um Freundschaft, bei anderen um Liebe.

Die eine oder andere Frau hat mich nicht minder geliebt wie ich sie. Trotzdem gab es Veränderungen im Gefühlsleben und dadurch auch im Verhalten.

Ich bin der Meinung, dass der Satz „wir bleiben Freunde“ im eigentlichen Sinne nicht realisierbar ist. Denn mindestens einer von beiden hat immer noch Gefühle für den anderen. Aber es ist eine Frage des Verstandes, wie man sich dem anderen gegenüber verhält. Auch wenn noch bestimmte Emotionen vorhanden sind, kann man sich doch freundschaftlich verhalten. Damit kommen aber viele nicht klar.

Störend sind Dinge wie: Was denkt der andere, wenn ich mich so oder so verhalte? Wie mag wohl seine Reaktion darauf sein?

Das alles ist Mumpitz. Ich bin ein Freund klarer Worte, forciere aber nicht immer ein entsprechendes Gespräch, da ich mich nicht in der Position des Erziehers sehe. Und wenn es mein Gegenüber nicht für nötig hält mir bestimmte Befürchtungen mitzuteilen, kann ich auch nicht helfen. Ich helfe gern, aber man muss Hilfe auch mal einfordern, annehmen und nicht darauf hoffen, dass irgendetwas passiert, wenn man sich so oder so verhält.

Das Problem, nicht zu bekommen was man begehrt, liegt doch beim Begehrenden und nicht beim Begehrten. Die Begehrten machen sich da oft zu viele Gedanken und verhalten sich deswegen eher dubios.

Ein einfaches „hey, das will ich absolut nicht. Lass das bitte“ ist meiner Meinung nach der bessere Weg. Oder im Gegenzug „ich empfinde so oder so für Dich, siehst Du vielleicht einen Weg?“

Warum führen 99 % der Menschen nie solch offene Gespräche?

Angst. Aber vor was? Aus dieser Angst heraus zerstören sie nur eine mögliche Freundschaft, ein Zusammensein – in welcher Form auch immer – ohne Hintergedanken.

Ein offenes Wort ist definitiv die bessere und ehrlichere Variante. Ja, ehrlich sollte es auf jeden Fall sein. Denn ein vermeintlich klärendes Gespräch auf Lügen über die eigenen Gefühle aufzubauen hilft keinem weiter.

Die Basis sollte eine Entscheidung des Herzens sein, nicht des Verstandes. Das Hirn dient nur zur Umsetzung in einem Gespräch.

Wenn der Gesprächspartner damit nicht umgehen kann, dann fehlt es ihm an Reife und Charakterstärke. Man kann nicht mit jedem gut befreundet sein.

„Wer jedermanns Freund sein will, ist niemandes Freund“

Ist man ehrlich zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen kommt man insgesamt besser durchs Leben. Dabei muss man nicht jeden Gedanken aussprechen. Manch Gedanke bleibt besser im Verborgenen, wenn man das Gefühl hat, dass ihn auszusprechen keine positive Wendung bringt. Wenn das Gegenüber allerdings eine ehrliche Antwort will, dann sollte man tatsächlich ehrlich sein. Man kann eine ehrliche Antwort auch so verpacken, dass es den anderen nicht vor den Kopf stößt. Das ist dann eine Frage des Auftritts, der Formulierung und der Diplomatie.

Wichtig dabei ist nur, dass der Fragende mit der ehrlichen Antwort auch umgehen kann. Aber das ist dann sein Problem.

Natürlich habe auch ich mich verändert. Ob positiv oder negativ mögen langjährige Weggefährten benennen.

Ich bin nach wie vor ein sehr höflicher Mensch, der auf das Wohlbefinden anderer mehr bedacht ist als auf das eigene. Ich bin auch immer noch nett. Allerdings ist die Grenze des Ausnutzbaren bei mir deutlich gestiegen. Wenn ich etwas für andere tue, dann nur, weil ich es will und nicht weil ich mich nicht traue NEIN zu sagen. Bin ich deswegen ein harter Hund geworden? Definitiv nicht. Ich bemühe mich weiterhin offen zu sein, auf Menschen zuzugehen, Vertrauen zu schenken. Wohl wissend, dass dieses noch sehr oft enttäuscht wird. Aber sich deswegen anderen Menschen verschließen? Nein!

Denn so verpasst man mit Sicherheit Menschen, die es wert sind ihnen zu vertrauen, sich auf sie einzulassen.

Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen und werde das auch weiterhin tun.

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