Großartige Kleinigkeiten

(Erstveröffentlichung am 16. August 2010)

In der schnelllebigen Zeit, in der wir uns befinden, fallen uns viele ach so kleine Dinge gar nicht mehr auf. Aber genau die sind es, die einem das Leben versüßen können.

Das schwäbische Motto „net gschimpft isch gnug globt“ – zu deutsch: Nicht getadelt ist genug des Lobes – halte ich für absoluten Mumpitz.

Jeder Hund wird für gute Dinge gelobt: „Fein!“ Aber warum klappt das bei uns Menschen nicht mehr? Dankbarkeit scheint vollkommen aus der Mode gekommen zu sein.

Ein kleines Danke an das Team mit dem man zusammen arbeitete tut niemandem weh. Oft wird es allerdings einfach so dahin gesagt wie ein beiläufiges Tschüss. Man muss es auch meinen, denken, fühlen. Dann kommt eine gewisse Ausdrucksstärke automatisch dazu und es wird eher als „echt“ empfunden.

Warum bedanken sich so wenige für einen schönen Abend? Sicher, bei manchen ist das eine Form der Anmache, wenn er sich bei ihr für den tollen Abend bedankt. Aber es kann ja auch rein platonisch und trotzdem ehrlich gemeint sein. In diesem “Danke für den schönen Abend” kann so vieles stecken. Danke, dass Du Deine Zeit für mich geopfert hast. Danke, dass Du mich vor einem langweiligen Fernseh-Abend bewahrt hast. Danke, dass Du mir bei meinen Problemen geholfen hast oder wenigstens ein offenes Ohr für mich hattest. Danke, dass Du mir das Vertrauen geschenkt hast und mir von Deinen Problemen erzähltest. Danke, dass Du mich an Deiner Freude teilhaben ließest. Und noch vieles mehr.

Sich beim Autofahrer, der einen gerade einfädeln ließ, per Handzeichen bedanken. Oder als Fußgänger, wenn der Mensch in der Benzinkalesche extra für uns bremst. Ein kleines Lächeln und ein Nicken genügen schon, um dem Gegenüber das Gefühl zu geben, genau das Richtige getan zu haben.

In der S-Bahn kann man seinen Platz ruhig auch mal anbieten oder jemanden im Supermarkt an der Kasse vorlassen. All das sind keine großartigen Leistungen. Es sind Kleinigkeiten, die dem anderen aber doch ein gutes Gefühl geben. Wenn auch nur von kurzer Dauer.

Das muss nicht immer die ältere Dame sein, der man über die Straße hilft, und es muss auch nicht die Rettung der Welt à la James Bond sein. Wenn man einem Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, dann ist das oft schon genug.

Bei der Frage „Wie geht’s?“ sollte man dem Befragten auch das Gefühl geben, dass es einen wirklich interessiert. Ansonsten sollte man es bei einem einfachen Hallo belassen. Dadurch erscheint man auch nicht gleich als oberflächlich, wenn man sich direkt nach der Frage abwendet und dem Gegenüber damit signalisiert, dass man die Antwort gar nicht hören will. Es bleibt einem ja selbst überlassen, ob man eine Detailantwort gibt oder ob man es mit einem „läuft“ abtut.

Wann habt ihr das letzte mal einen Sonnenauf- oder –untergang richtig aktiv mitverfolgt? Wann ist Euch zuletzt das Zwitschern der Vögel aufgefallen?

Warum sagen wir nicht auch mal: „Schön, Deine Stimme zu hören“, wenn wir mit Freunden oder dem Partner telefonieren?

Eine innigere Umarmung als das oft eher beiläufige Betätscheln oder ein Kompliment sind oft mehr wert als eine Cartier-Uhr oder andere kostspielige Geschenke. Aufmerksamkeit für Dinge, Aktionen, Worte, die wir eher nebenher machen. Dafür sollten wir uns alle etwas mehr sensibilisieren.

Belohnt andere und ihr werdet belohnt. Und sei es in den meisten Fällen nur mit dem Gefühl, etwas Gutes vollbracht zu haben.

Es sind die Kleinigkeiten, wenn man sie denn aktiv wahrnimmt, die einen größere Sorgen vergessen lassen. Also können Kleinigkeiten doch großartig sein.

Deswegen sage ich Danke für die Kleinigkeiten. Denn sie sind gar nicht so klein.

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